Wie sieht die Fortbildung der Zukunft aus?

von | Jun 8, 2020 | #mehrGESPRÄCHE, Textbeitrag

Das Konzept des lebenslangen Lernens soll es uns ermöglichen, mit dem Wandel der Zeit zu gehen, uns stetig weiterzuentwickeln und flexibel und professionell auf Veränderungen und Innovationen reagieren zu können. In vielen Unternehmen findet im Hinblick auf die Qualifikation der eigenen Mitarbeiter aus diesem Grund derzeit ein Umdenken statt. Viele Führungskräfte fragen sich, wie sie ihre Mitarbeiter nicht nur zielführend schulen, sondern zugleich auch fördern können. Denn was nutzt Fachkräften ihr neuerworbenes Wissen, wenn verstaubte oder problemanfällige Unternehmensstrukturen die Anwendung dieses Wissens nicht zulassen? Die Lösung: Eine Symbiose aus effizientem Wissenserwerb und der Optimierung bestehender Unternehmensstrukturen, findet Anja Lothschütz. 

Frau Lothschütz, wie genau sieht für Sie die Fort- und Weiterbildung der Zukunft aus? 

Der Faktor Mensch im Fokus: Das Fortbildungs-Modell der Zukunft 

Unsere Arbeitswelt steht vor gewaltigen Umbrüchen. Globalisierung, demographischer Wandel, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und vor allem der rapide voranschreitende technologische Wandel stellen Unternehmen und deren Beschäftigte vor ständig neue Herausforderungen. In den kommenden Jahren werden wir als Gesellschaft sowie auch als Individuen mit enormen Umbrüchen in unserer Lebens- und Arbeitswelt konfrontiert werden. Wandel ist zum bestimmenden Merkmal unserer Zeit geworden.

Angesichts dieser voranschreitenden gesellschaftlichen Transformation wird der kompetente Umgang mit digitalen Technologien zu einer Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg, als auch für gesellschaftliche Teilhabe. Doch neben bestimmten fachlichen Kompetenzen in neuen Technologiefeldern, verlangt die „neue“ Arbeit zunehmend auch Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kreativität, unternehmerisches Handeln, Selbstverantwortung sowie kommunikative und interkulturelle Kompetenzen. Wer diese Fähigkeiten mitbringt, kann sich in neuen Situationen leichter zurechtfinden sowie Probleme in einer zunehmend unbeständigen und komplexen Welt besser analysieren und lösen.

Lebenslanges Lernen als Herausforderung der Zukunft

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, braucht es auch ein Umdenken in puncto Weiterbildung. Kontinuierliches Lernen und Weiterqualifizierung müssen zur Selbstverständlichkeit, zu einem Bestandteil unserer Arbeit werden. Die Herausforderung besteht darin, Personen so zu qualifizieren, dass sie ein möglichst umfangreiches Bündel aller der für ihren Arbeitskontext relevanten Skills besitzen. Reines Wissen wird dabei immer mehr an Bedeutung verlieren. Vielmehr geht es um eine ganzheitliche Befähigung zur Transformation.

Dazu gehört neben der Vermittlung von agilen Arbeitsweisen und dem Echtzeit-Zugriff auf relevante Informationen vor allem auch der aktive Austausch zwischen den Mitarbeitern. Es gilt, das Wissen der eigenen Belegschaft intensiv zu nutzen und in die Weiterbildung einzubinden. Insbesondere für Unternehmen die in den nächsten Jahren vor einem Generationenwechsel stehen, kann der gezielte Wissenstransfer von den älteren auf die jüngeren Nachfolger ein Überlebenskriterium bedeuten. 

Fortbildung optimieren: Potentiale erkennen und nutzen

Entgegen aller Befürchtungen, glaube ich, dass insbesondere die Kompetenzen wie Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion, die nicht durch künstliche Intelligenz ersetzt werden können, an Bedeutung zunehmen werden. Demnach gilt es, den Fokus Mensch verstärkt in den Mittelpunkt unternehmerischen Denkens und Handelns zu rücken und eine Umgebung zu schaffen, in der  Mitarbeiter ihre Potentiale erkennen und leistungsgerecht einsetzen können. Potentialentfaltung und damit einhergehend Engagement sowie die Bereitschaft zu lernen und sich weiterzuentwickeln, bedürfen einer Gemeinschaft, zu der man sich zugehörig fühlt und in der man sich als Teil des großen Ganzen versteht. 

Demnach hängt der Erfolg von Weiterbildungsmaßnahmen in einer Organisation, und auch inwieweit diese zur Erreichung der Unternehmensziele effektiv beitragen können, ganz wesentlich von der jeweiligen Werte- und Unternehmenskultur ab. Weiterbildung sollte demnach neben der reinen Wissensvermittlung  und Kompetenzerweiterung auch immer einen Beitrag zur Stärkung einer authentischen und werteorientierten Unternehmensidentität leisten. Dabei gilt es, Kongruenz zu schaffen zwischen dem Unternehmen, der Führungsebene und den Menschen, die geführt werden. Um die Arbeit mit vernetzten Maschinen möglich zu machen, braucht es ein gelebtes Wissensmanagement und stabile Mensch-Mensch-Beziehungen. 

 

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