Wissen im Wandel: was ist Wissen heute wert?

von | Mai 8, 2020 | #mehrHINTERGRUND, Textbeitrag

Immer häufiger begegnen uns in unserem beruflichen Kontext heutzutage sogenannte „Quereinsteiger“. Haben sie vorher in gänzlich anderen Branchen gearbeitet oder ihre Ausbildung mit einem anderen Schwerpunkt abgeschlossen, so wagen sie nach einigen Jahren Berufserfahrung mit einem Mal den Jobwechsel. Ein solcher Quereinstieg stellt sowohl die Quereinsteiger selbst als auch ihre Kollegen vor Herausforderungen. Doch woran liegt es, dass unsere heutige Gesellschaft, im Gegensatz zu früheren Generationen, Job- und Branchenwechsel meistern muss, um im Berufsleben bestehen zu können? Reicht unser Wissen, welches wir uns während unserer Ausbildungen einmal angeeignet haben, mittlerweile einfach nicht mehr aus? 

Lebenslanges Lernen: Wissenserwerb als Lebensaufgabe 

„Man lernt nie aus“ – sicher kennen auch Sie diese etwas abgedroschene Redewendung. Und doch kann das lebenslange Lernen schon lange nicht mehr nur als gutgemeinter Ratschlag abgetan werden. Viel mehr steckt ein ganzes Konzept dahinter, welches sich nicht nur auf das Berufs-, sondern auch auf unser Privatleben auswirkt.  

Das Konzept vom „lebenslangen Lernen“ wird den Erziehungswissenschaften zugeordnet. Der Grundgedanke des Konzepts ist es, Menschen dabei zu unterstützen, sich stetig neues Wissen anzueignen und gerne Neues zu lernen. Lern- und Entwicklungsprozesse sollen somit nicht nur in unseren Kindheits- und Jugendjahren stattfinden, sondern uns unser ganzes Leben über helfen, uns weiterzuentwickeln. 

Dass es nicht nur hilfreich, sondern geradezu notwendig ist, sich stetig weiterzuentwickeln und sich neues Wissen anzueignen, zeigen die Entwicklungen rund um zwei der wohl bekanntesten Megatrends: Digitalisierung und Globalisierung. In diesem Kontext sind es zudem nicht nur Quereinsteiger, die vor die Herausforderung gestellt werden, sich neues Wissen anzueignen. Viel mehr betrifft es uns alle. Denn durch technische Innovationen, künstliche Intelligenz und globale Entwicklungen kann unser Wissen morgen, wenn wir im Büro auf einmal ein neues Tool bedienen oder mit hochmoderner Technologie arbeiten sollen, schon nicht mehr ausreichen. 

Die Halbwertszeit von Wissen

Aufgeschlagenes Buch neben Uhr und Brille

Die Halbwertszeit von Wissen sinkt also. Doch was sich dramatisch anhört, kann mit dem Konzept des lebenslangen Lernens durchaus aufgefangen werden. Das haben auch viele Unternehmen bereits erkannt und setzen vermehrt auf Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die über das klassische Seminarprogramm mit einseitigen Frontal-Vorträgen hinausgehen. Schließlich hat Wissen keine Altersbegrenzung. Viel mehr ist es der Wissenstransfer zwischen Jung und Alt, ebenso wie zwischen Alt und Jung, der die Basis für einen fundierten Wissenserwerb bildet.  Was es dafür braucht? Viel Akzeptanz und noch mehr Wissensdurst. Forscher und Soziologen sind sich nämlich einig: Wir müssen lernen, voneinander zu lernen. Und so umfasst das LLL-Konzept (Lebenslanges Lernen-Konzept, ein Begriff, der besonders im deutschsprachigen Raum verwendet wird) auch die Etablierung von Soft Skills. Diese beinhalten eine offene Feedback-Kultur, flache Hierarchien und die verstärkte Zusammenarbeit von jungen Nachwuchstalenten und „alten Hasen“. Denn statt nur voneinander zu lernen, ist es manchmal eben noch zielführender, miteinander zu lernen. 

Etwas Neues zu lernen, kann aufwändig und anstrengend sein. Oder aber aufregend und herausfordernd. Es erfordert das Verlassen der eigenen Komfortzone und ist doch so oft mehr Chance als Risiko. Unsere Empfehlung: Probieren Sie es doch einfach einmal aus – Lernen Sie dazu. Ob Ihr neues Wissen Sie überfordert oder eher fördert, können Sie vorher schließlich nicht wissen.

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