Der Blick in die Zukunft: ein Tag im Jahr 2040

von | Apr 5, 2020 | #mehrGESICHTER, Textbeitrag

Was bringt uns die Zukunft? WerteWissenWandel-Gründerin Anja Lothschütz wagt eine Prognose.

Vom vollautomatischen Coach bis hin zum Gesundheitschip unter der Haut

8:12. Es ist der 24. Juni 2040, morgens. Mein Sprachassistent, ich nenne ihn Heinz-Rüdiger nach meinem ersten Freund, der schon damals ein echter Nerd war, weckt mich mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ und dem Hinweis, dass ich ausreichend REM-Phasen hinter mir habe und nun die beste Zeit zum Aufstehen sei.

Aufgrund meiner gestrigen Blut- und Speichelanalyse schlägt mir Heinz-Rüdiger einen Eiweißshake mit Ingwerflavour zum Frühstück vor.  Eier mit Speck wären mir lieber. Leider kann ich mir dieses Quartal keinen kulinarischen Ausrutscher mehr leisten, sonst droht mir eine ordentliche Strafe seitens der Gesundheitsaufsichtsbehörde.

Das passende Outfit für den Tag hat Heinz-Rüdiger bereits ausgesucht, meine Termine an meinen implementierten Chip gesendet und den selbstfahrenden Abholservice organisiert.

10:30. Im Coworking-Space angekommen, sehe ich bereits das Hologramm meiner heutigen Gesprächspartner und biete Ihnen einen Kaffee an, virtuell sozusagen. Soll eigentlich ein Witz sein, versteht aber keiner mehr. Der Chip im Handgelenk blinkt. Ich soll die Elektroden anschließen, damit meine Hirnströme gemessen werden können und somit meine Gedanken direkt in zwei Sprachen übersetzt und widergegeben werden. Einerseits finde ich das sehr befremdlich, andererseits dann auch irgendwie gut, zumal das stundenlange Reden früher oft sehr ermüdend war. Außerdem rät man mir, während des Sitzens meine Oberschenkelmuskulatur stimulieren zu lassen.

Zukunft zum Vorstellen

13:30. Nach diesem Meeting brauche ich dringend eine Pause und spreche mit meinem humanoiden Roboterfreund Peter mithilfe meiner smarten Kontaktlinsen.  Nach ein paar Komplimenten und einem virtuellen Kuss fühle ich mich gestärkt für die zweite Tageshälfte und gebe meiner virtuellen Assistentin die von ihr vorbereiteten Angebote mit meinem Fingerprint frei.

18:30. Der Chip unter meiner  Haut blinkt – genug für heute. Auf dem Weg nach Hause speichere ich Heinz-Rüdiger noch den Bericht vom Tag ein, bevor  meine analoge Spielgruppe zu Besuch kommt. Heinz-Rüdiger hat dafür gesorgt, dass unser Haushaltsroboter bereits alles aufgeräumt und hergerichtet hat. Mit den alten Geldscheinen, die ich aus Nostalgiegründen aufbewahrt habe, nachdem das Bargeld komplett abgeschafft wurde, spielen wir ab und an Monopoly. Dazu gibt’s vegane Leberwurstschnittchen und Erdbeerbowle, die allerdings mit richtigen Erdbeeren und ordentlich Alkohol, wovon Heinz-Rüdiger nichts mitbekommen hat.

23:00. Heinz-Rüdiger meldet sich mit einem dringlichen Unterton und mahnt zur Bettruhe. Um Diskussionen zu vermeiden, verabschiede ich meine Freunde und lege mich in die Schlafbox mit automatischer Temperaturregelung. Mit leicht melancholischer Stimmung schlafe ich ein und denke: Schön war‘s! Vor allem damals.

 

 

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