Julia ist studierte Grafikerin. Sie hat sich vor kurzem selbstständig gemacht und schnell festgestellt, wie hartnäckig und diszipliniert man sein muss, wenn man als Freiberufler erfolgreich sein möchte. Mittlerweile bietet sie neben Dienstleistungen im Bereich Grafikdesign auch Social Media-Marketing und die Programmierung und Gestaltung von Websites an. „Ich hatte das Gefühl, ich muss mein Leistungsangebot vergrößern, um mit den Agenturen mithalten zu können. Oftmals buchen Kunden das komplette Paket und darauf muss ich vorbereitet sein“, sagt sie. Doch wie sinnvoll ist es tatsächlich, von allem irgendwie etwas zu können, ohne sich dabei auf einen Bereich zu spezialisieren? Wir haben uns umgehört.

Immer wieder montags… möchten wir Sie, liebe Leser, informieren. Worüber? Über ganz unterschiedliche Themen, Perspektiven und Meinungen rund um das Thema Werte, verfasst und vertreten von ganz unterschiedlichen Menschen. Mit unserer Kolumne #mehrWERT möchten wir Sie jede Woche aufs Neue inspirieren, motivieren und aktivieren. Aufgearbeitet in verschiedenen, spannenden Formaten präsentieren wir Ihnen Menschen und ihre Geschichten, ihre Ansichten und Perspektiven – und laden Sie zu der interaktiven Gestaltung unseres gemeinsamen #mehrWERTs ein.

 

Unser Leben ist von einem stetigen Wandel bestimmt, der uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Arbeitnehmer müssen heutzutage vor allem flexibel, spontan und dynamisch agieren, um mithalten und sich beweisen zu können. Eine Ausbildung oder ein Studium reicht oftmals nicht mehr aus, um sich von der Masse abzuheben. Anstatt sich also auf einen Bereich zu spezialisieren, werden wir immer häufiger zu vermeintlichen Alleskönnern und legen uns immer weniger auf nur einen Berufszweig fest. Wir fragen uns: Wie sinnvoll ist die Spezialisierung im Berufsleben also heute noch?

 

Spezialisierung als berufliche Bremse?

Zurück zu Julia. Statt in einem Großraumbüro zu sitzen und als Angestellte tätig zu sein, arbeitet sie von zu Hause aus. Auf Ihrem Schreibtisch häufen sich Fortbildungs-Unterlagen. Um Ihrem vergrößerten Leistungsangebot gerecht zu werden, muss sie sich möglichst effektiv und zugleich möglichst schnell jede Menge Wissen aneignen und sich in Bereiche einarbeiten, in denen sie nicht ausgebildet wurde. Und doch sieht sie genau diesen Teil ihrer Arbeit als Herausforderung an. Menschen wie Julia werden als Generalisten, als Alleskönner bezeichnet. Generalisten beherrschen viele Aufgabenbereiche ziemlich gut und weisen oftmals ein großes Verständnis für übergeordnete Strukturen und Prozesse auf. Sie verfügen über einen besonders breiten Fokus und scheuen sich nicht davor, heute in dem einen und morgen in einem anderen Bereich tätig zu sein. In Zeiten des stetigen, branchenübergreifenden Wandels sind Menschen mit derlei Fähigkeiten gefragter denn je. Alte Strukturen werden immer öfter aufgebrochen und durch flexible und dynamische Prozesse ersetzt. Technologien verändern sich und die Kommunikation wird immer globaler. Um mithalten zu können, gilt es also, möglichst breit aufgestellt zu sein und Qualifikationen in möglichst vielen verschiedenen Bereichen vorzuweisen. Eine Spezialisierung wirkt in diesem Kontext also beinahe wie eine berufliche Bremse. Doch was geschieht, wenn sich niemand mehr spezialisiert und alle von allem etwas können?

 

Mit mehr Wissen mehr erreichen – Spezialisierung als Erfolgsgarant?

„Durch die Spezialisierung auf einen Fachbereich bediene ich eine bestimmte Nische und kann meine Kollegen bei Problemfällen bestmöglich unterstützen, ohne dass wir externe Berater hinzuziehen müssen“, erklärt uns hingegen Max. Er ist in der Rechtsberatung eines Unternehmens tätig, das mit Holz handelt und hat sich auf den Bereich Außenhandelsrecht spezialisiert. Max ist also ein Spezialist – er ist jemand, der sich auf einen definierten Bereich fokussiert hat und einer klar abgegrenzten Tätigkeit nachgeht. Auch Max besucht Workshops und nimmt an Fortbildungen teil – allerdings nicht, um sich in einem anderen Bereich Wissen anzueignen, sondern um sich auf seinem Spezialgebiet weiterzubilden und auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass seine Spezialisierung eine Einschränkung bedeutet. Auch Spezialisten verfügen über einen gewissen Weitblick und sind in der Lage, andere Themenbereiche zu verstehen und zu bearbeiten. Und doch ist es ihre Stärke, ihr spezielles Expertenwissen anzuwenden und dieses stetig zu erweitern. So unterscheiden sie sich von ihrer Konkurrenz und konzentrieren ihre Kräfte auf einen Bereich. Sind Spezialisten also die wertvolleren Arbeitskräfte als die Generalisten? Keineswegs – eine Spezialisierung kann, muss aber nicht als Erfolgsgeheimnis für die Karriere dienen. Viel mehr kommt es auf die jeweilige Branche und die jeweilige Position an, die darüber entscheiden, wie weit wir mit einer Spezialisierung kommen. Während sich Marketiers möglichst breit aufstellen müssen, um sich von ihrer Konkurrenz abzuheben, ist es für Ärzte oder Juristen essentiell, sich auf ein Spezialgebiet zu konzentrieren und dieses bestmöglich zu beherrschen. Es ist also viel mehr die Mischung aus beiden Typen, aus den Spezialisten und den Generalisten, von der kleine sowie große Unternehmen profitieren und ohne die es kein ausgeglichenes Verhältnis zwischen flexiblen Alleskönnern und strukturierten Alleswissern geben würde.

 

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